Wer auf Tafeln, Warenkörbe und Kleiderkammern angewiesen ist, fühlt sich dauerhaft aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer Untersuchung der Forschungsgruppe „Tafelmonitor“ von Prof. Stefan Selke (Furtwangen), und Prof. Katja Maar (Esslingen) zur Wirksamkeit existenzunterstützender Angebote, die die Diözesan-Caritasverbände in NRW in Auftrag gegeben haben. Die Spaltung der Gesellschaft, die sich in den existenzunterstützenden Angeboten fortsetze. „ist für die Caritas in NRW nicht akzeptabel,“ erklärte der Münsteraner Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann am Dienstag vor der Landespressekonferenz in Düsseldorf.
Die Ergebnisse liegen jetzt als Buch vor. Befragt wurden haupt - und ehrenamtliche Helfer sowie regelmäßige Nutzer und Nutzungsverweigerer“ von existenzunterstützenden Angeboten. Den Mitarbeitenden attestiert die Studie eine hohe Verantwortlichkeit für die menschenwürdige Existenz ihrer Mitmenschen. Sie verstünden sich als Ausfallbürgen für die mangelnde sozialstaatliche Absicherung. Ihnen gehe es um konkrete Unterstützung für einzelne in Not geratene Menschen und nicht um politische Arbeit bei der Bekämpfung der Ursachen.
Tafeln sind noch immer ein ambivalentes gesellschaftliches Phänomen. Ihre Zukunft wird gegenwärtig unter dem Leitbegriff „Transformation“ diskutiert. Deshalb standen Tafeln und ähnliche existenzunterstützende Einrichtungen auch im Mittelpunkt des „1. Interdisziplinären Tafelsymposions“, das 2010 an der Hochschule Furtwangen University stattfand. Ziele der Fachtagung waren die gemeinsame Standortbestimmung zur Stellung und Funktion der Tafeln in der Gesellschaft sowie die vergleichende Diskussion aktueller Forschungsfelder. Zahlreiche PraktikerInnen der Tafelbewegung und TafelforscherInnen suchten zudem dialogisch nach Grundbausteinen der Transformation von Tafeln und etablierten damit die Basis für einen moderierten Interessensausgleich zwischen Kritikern und Befürwortern der Tafelbewegung. Der vorliegende Band stellt die Beiträge der Fachtagung kommentiert zusammen und unterstützt damit die weitere fachliche und außerfachliche Diskussion über Tafeln in Deutschland.