
In Deutschland werden in steigendem Umfang Menschen in Tafeln und ähnliche Einrichtungen mit Lebensmitteln und verstärkt auch mit weitergehenden Angeboten versorgt. Tafeln haben inzwischen eine nicht mehr wegzudenkende gesellschaftliche und zunehmend auch sozialpolitische Funktion. Selbstverständlich ist diese deshalb jedoch noch lange nicht.
Tafeln sind ein öffentliches Thema. In den Medien wird immer wieder über Tafeln, die Arbeit der (ehrenamtlichen) TafelhelferInnen sowie die KundInnen der Tafeln berichtet. Die öffentliche Diskussion über Tafeln zeichnet sich vor allem durch ein breites Meinungsspektrum zwischen euphorischer Verteidigung und radikaler Ablehnung des Tafelkonzepts aus.
Tafeln sind zunehmend auch Gegenstand interdisziplinärer, wissenschaftlicher Forschung. Im Jahr 2009 wurde mit dem Sammelband „Tafeln in Deutschland“ das Forschungsfeld in seinen groben Umrissen markiert. Klar ist vor allem: Nur in der disziplinübergreifenden Zusammenarbeit lässt sich das gesellschaftliche Phänomen Tafeln angemessen verstehen und einordnen.
Vor diesem Hintergrund lud die Forschungsgruppe „Tafeln“ (Hochschule Furtwangen University: Prof. Dr. Stefan Selke/Hochschule Esslingen: Prof. Dr. Katja Maar) im Rahmen des ersten interdisziplinären Fachsymposions zur gemeinsamen gesellschaftlichen Verortung des Phänomens Tafeln ein.
Das Fachsymposion fand von Freitag, den 22. Oktober 2010 bis Sonntag, den 24. Oktober 2010 an der Hochschule Furtwangen University statt. Ziele der Veranstaltung waren
1. eine gemeinsame Standortbestimmung zur Stellung und Funktion der Tafeln in der Gesellschaft sowie
2. die ausführliche, vergleichende Diskussion aktueller Forschungsfelder zu Tafeln und ähnlichen existenzunterstützenden Angeboten.
Dabei wurden nicht die alltäglichen, pragmatischen Probleme einzelner Tafeln in den Blick genommen, sondern die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen, die aus der fast flächendeckenden Existenz der Tafeln in Deutschland resultieren. Daneben ging es natürlich auch um das Kennenlernen der TeilnehmerInnen sowie um eine weitere Vernetzung der TafelforscherInnen, -expertInnen und -interessierten.
Der Titel des Symposiums – „Tafeln & Co.“ – erinnert daran, dass es neben den bekannten Tafeln auch weniger bekannte, ähnliche Hilfseinrichtungen gibt. Zudem wird signalisiert, dass es im Kontext der Tafeln um eine ganze Palette von Fragen geht: (neue) Armut in Deutschland, Hartz-IV, Ehrenamt, Menschenwürde, Sozialstaat etc. Ziel der Veranstaltung ist es, diese Wechselwirkungen deutlich zu machen und sinnvoll in Beziehung zueinander zu setzen.
Eingeladen waren alle interessierten AkteurInnen, die sich mit Tafeln und tafelähnlichen Einrichtungen theoretisch, praktisch oder interessenspolitisch beschäftigten. Dies sind insbesondere:
Teilnehmerliste des Symposions 2010 als pdf
Alle Veranstaltungen des Symposions wurden gefilmt, hier die Links zu den einzelnen Veranstaltungen:
Einführung in das Thema der Veranstaltung
Vorträge
Vortrag Rainer Witt: "Sprache und Branding im Feld der Tafeln"
Vortrag Mareike Layer: "Prekäre Gastfreundschaft im historischen Vergleich"
Vortrag Timo Sedelmeier: "Tafeltypen und Kundenmodelle"
Vortrag Dr. Rudolf Martens: "Gesamtwirtschaftliche Betrachtung der Tafeln"
Vortrag Jens Becker: "Tafeln, Sozialethik und Menschenwürde"
Podiumsdiskussionen
Podiumsdiskussion "Gesellschaftlicher Stellenwert der Tafeln"
Podiumsdiskussion: "Tafeln, Ehrenamt und soziale Dienste"
Podiumsdiskussion "Transformation der Tafeln"
Podiumsdiskussion "Tafeln, Sozialethik und Menschenwürde"
Podiumsdiskussion "NutzerInnenperspektiven"
Sammelband
Zudem ist eine Dokumentation des Symposions mit dem Titel "Transformation der Tafeln in Deutschland" im VS-Verlag erschienen. Hier kann man das Buch bestellen.