Tafeln sind noch immer ein ambivalentes gesellschaftliches Phänomen. Ihre Zukunft wird gegenwärtig unter dem Leitbegriff „Transformation“ diskutiert. Deshalb standen Tafeln und ähnliche existenzunterstützende Einrichtungen auch im Mittelpunkt des „1. Interdisziplinären Tafelsymposions“, das 2010 an der Hochschule Furtwangen University stattfand. Ziele der Fachtagung waren die gemeinsame Standortbestimmung zur Stellung und Funktion der Tafeln in der Gesellschaft sowie die vergleichende Diskussion aktueller Forschungsfelder. Zahlreiche PraktikerInnen der Tafelbewegung und TafelforscherInnen suchten zudem dialogisch nach Grundbausteinen der Transformation von Tafeln und etablierten damit die Basis für einen moderierten Interessensausgleich zwischen Kritikern und Befürwortern der Tafelbewegung. Der vorliegende Band stellt die Beiträge der Fachtagung kommentiert zusammen und unterstützt damit die weitere fachliche und außerfachliche Diskussion über Tafeln in Deutschland.
Lebensmitteltafeln in Deutschland befinden sich im Schnittpunkt vielfältiger Interessen und sind Projektionsfläche heterogener Meinungsbilder. Die Entwicklung des Tafelsystems ist dabei weder zufällig noch selbstoptimierend. Seit es auch kritische Thesen zu Tafeln gibt, hat sich der Diskurs über die Tafeln und deren gesellschaftliche Funktion erkennbar ausdifferenziert. Es kam zu einem Paradigmenwechsel in der Wahrnehmung von Praktiken und Folgen bürgerschaftlichen Engagements bei Tafeln. Die in diesem Band versammelten Beiträge belegen die Vielfalt dieser kritischen Ansätze. Tafeln werden dabei aus den theoretischen Perspektiven von Armutsforschung, Sozialpolitik, Sozialethik sowie der sozialwissenschaftlichen Nutzerforschung, aber auch unter Berücksichtigung praktischer Erfahrungen der Sozialen Arbeit vorgestellt. Ziel ist es, einen Beitrag zur meinungspluralen Diskussion über den zukünftigen Stellenwert existenzunterstützender Angebote zu leisten.

2009 erschien der Sammelband "Tafeln in Deutschland. Aspekte einer sozialen Bewegung zwischen Nahrungsmittelumverteilung und Armutsintervention" im VS-Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden). Es ist der erste Sammelband, der sich wissenschaftlich und interdisziplinär dem Thema Tafeln widmet. Er enthält auch Beiträge von Praktikern aus der Welt der Tafeln.
Der Band vereint interdisziplinäre Beiträge zur gegenwärtigen Situation der Tafellandschaft und zur gesellschaftspolitischen Einschätzung der Tafeln. Eine Übersicht über die Inhalte finden Sie hier.
Die Innenwelt der Tafeln und die mit ihrer Praxis verbundenen Paradoxien sind Gegenstand der Sozialreportage Fast ganz unten. Sie enthält viele konkrete Antworten auf die Frage, wie man heute an der Peripherie der Gesellschaft satt wird. Ein Jahr lang beobachtete der Autor die Arbeit von Helfern und das Leben Bedürftiger. Herausgekommen sind ein hintergründiger Erfahrungsbericht und ein vielschichtiges Bild von einem sozialen Ort, der schleichend Teil unserer Gesellschaft wurde. Armut bekommt so viele neue Gesichter. Der Autor nimmt darüber hinaus kritisch Stellung zur gesellschaftlichen Bedeutung der Tafeln. Seine Thesen regen zu einer notwendigen Diskussion um die Zukunft der Tafeln und des Sozialstaates an. Das Buch – illustriert mit 34 Fotos – ist von hohem analytischen Wert für alle, die am Phänomen der neuen Armut interessiert sind, aber auch für die Mitglieder der Tafelbewegung selbst.

Wer auf Tafeln, Warenkörbe und Kleiderkammern angewiesen ist, fühlt sich dauerhaft aus der Gesellschaft ausgegrenzt. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer Untersuchung der Forschungsgruppe „Tafelmonitor“ von Prof. Stefan Selke (Furtwangen), und Prof. Katja Maar (Esslingen) zur Wirksamkeit existenzunterstützender Angebote, die die Diözesan-Caritasverbände in NRW in Auftrag gegeben haben. Die Spaltung der Gesellschaft, die sich in den existenzunterstützenden Angeboten fortsetze. „ist für die Caritas in NRW nicht akzeptabel,“ erklärte der Münsteraner Diözesancaritasdirektor Heinz-Josef Kessmann am Dienstag vor der Landespressekonferenz in Düsseldorf.
Die Ergebnisse liegen jetzt als Buch vor. Befragt wurden haupt - und ehrenamtliche Helfer sowie regelmäßige Nutzer und Nutzungsverweigerer“ von existenzunterstützenden Angeboten. Den Mitarbeitenden attestiert die Studie eine hohe Verantwortlichkeit für die menschenwürdige Existenz ihrer Mitmenschen. Sie verstünden sich als Ausfallbürgen für die mangelnde sozialstaatliche Absicherung. Ihnen gehe es um konkrete Unterstützung für einzelne in Not geratene Menschen und nicht um politische Arbeit bei der Bekämpfung der Ursachen.
Stephan Lorenz zeigt, dass die Flexibilisierung der Überflussgesellschaft sowohl soziale Ausgrenzung und Polarisierung als auch die Übernutzung von Ressourcen verstärkt. Seine empirische Analyse gewährt Einblicke in die Etablierung eines zivilgesellschaftlichen Engagements, das weniger ein Beitrag zur Überwindung der Probleme ist als vielmehr ein Symptom ihrer Verfestigung.
Die wohltätige Verteilung von Lebensmitteln steht für eine neue Polarisierung in den Überflussgesellschaften. Während Überangebot und individuelle Konsumentscheidungen systematisch Überschüsse hinterlassen, sind zugleich Menschen von Arbeit und Konsum so weit ausgeschlossen, dass sie nehmen, was die Tafeln und ähnliche Initiativen gerade verteilen können.
Der transdisziplinäre Diskussionsband versammelt empirisch fundierte Analysen, theoretische Einsichten und politische Stellungnahmen zu dieser noch jungen Entwicklung.
Ein breites Spektrum an Perspektiven auf ein aktuelles sozialpolitisches Phänomen, mit Beiträgen u.a. von Katrin Göring-Eckardt, Regina Görner, Gabriele Goettle, Marianne Gronemeyer, Fabian Kessl und Matthias Möhring-Hesse.
Hier kann man das Buch bestellen und auch schon in Auszügen lesen.

Handeln im Widerspruch meint: Ehrenamtlich einer Tätigkeit nachgehen, deren Sinn zwar gesellschaftlich anerkannt wird, die sich aber zunehmend für den ehrenamtlich Tätigen als eine moralische Belastung herausstellen kann.Ort des Geschehens: Die Emmendinger Tafel, eine von 900 Tafeln in Deutschland. Der über 70-jährige Autor Wolfgang Wimmer hat sich beinahe drei Jahre 1x wöchentlich hinter die Brottheke der Emmendinger Tafel gestellt und sich seine Gedanken gemacht, die in diesem Büchlein ihren manchmal originellen und hintersinnigen, aber oft auch amüsanten Niederschlag fanden. Wer sich für das Innenleben der Tafeln interessiert, der kann durch diese Texte einen ersten Eindruck gewinnen.

Das Buch der Autoren Gerhard Igl, Stefanie Meischak, Stefanie Metze, Christina Ruch und Jana Tóth widmet sich der Tafelarbeit aus der Perspektive der unmittelbar Beteiligten.
Nicht die gesellschaftliche Bedeutung der Tafeln als Einrichtung, in der durch vorwiegend privatwirtschaftliche Hilfe soziale Unterstützung jenseits staatlicher Verantwortung organisiert wird, ist Gegenstand der Untersuchung. Ebenso wenig wird die innere Organisation der Tafeln einer detaillierten Betrachtung unterzogen, und auch die Funktionsweise des Gebens und Nehmens steht nicht im Mittelpunkt dieser Arbeit. Stattdessen kommen in der Arbeit die Akteure zu Wort: Jene, die Hilfe benötigen und bei der Tafel nachsuchen, ebenso wie jene, die diese Hilfe ehrenamtlich oder in anderen Beschäftigungsverhältnissen leisten.
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"Da gehe ich nicht mehr hin..." - "Ich sitze in einer kalten Wohnung, weil ich Heizung sparen muss..." - "Ich kann gut mit Geld umgehen, denn ich habe nur sehr wenig davon". Exemplarische Aussagen, die zur Sprache bringen, was alle Verantwortlichen hätten wissen müssen: Von Hartz IV kann man nicht leben.
Berater und Beraterinnen des Diakonischen Werks Hessen und Nassau geben den Menschen, die von Hartz IV leben müssen eine Stimme. Die Beiträge des Buches rücken die Perspektive der Erwerbslosen in den Mittelpunkt. Sie zeigen, was der Slogan "Fordern und Fördern" wirklich bedeutet.
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